Huchting. Im Helga-Jansen-Haus in Huchting beginnt das Kaffeekränzchen bereits um
11 Uhr. Rolf Witte haut da schon in die Tasten seines Akkordeons, ein anderer älterer Herr geht mit dem Sekt-Tablett rum. Es herrscht eine Atmosphäre wie auf einer Kutterfahrt. An den gedeckten Tischen sitzen die Senioren des Vereins Aktive Menschen Bremen (Ameb) und unterhalten sich. Am sogenannten Beiratstisch in der Ecke werden aktuelle politische Themen erörtert.

 

Beiratssprecher Falko Bries (SPD) fragt: „Habt ihr heute noch viel vor?“. Björn Fecker (Grüne) antwortet: „Ich habe noch eine Stadtbürgerfrage.“ Und Yvonne Averwerser (CDU) weist auf das noch zu besprechende Thema Hermannsburg hin. Dabei geht es um den Erhalt der Wahlfreiheit für Schüler, die mit dem Abschluss der zehnten Klasse von der Oberschule an der Hermannsburg in eine Oberstufe wechseln möchten. „Sie müssen weiterhin die Möglichkeit haben, an die Kooperationsschule am Leibnizplatz gehen zu können“, bemerkt die stellvertretende Beiratssprecherin. Dafür setze sie sich ein.

 

Antje Grotheer, die Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft, betritt den vollen Saal, geht die Reihen ab und gibt jedem einzelnen Besucher die Hand. Ortsamtsleiter Christian Schesselmann und Fraktionsabgeordneter Elombo Bolayela (SPD) nehmen schon an den Tischen Platz. Bevor der Vorsitzende des Vereins Ameb, Hubert Resch, seine Ansprache hält, ergreift seine Frau Karin Resch das Wort. „Ich begrüße Sie alle recht herzlich. Ich habe wirklich gedacht, das vergangene Jahr wäre mein letztes Jahr gewesen“, sagt sie und hält ihren kürzlich gebrochenen Arm hoch. „Nun stehe ich schon wieder hier.“ Sie wünscht allen Anwesenden einen schönen Neujahrsempfang und überlässt dann ihrem Mann das Rednerpult.

 

Hubert Resch spricht der Begegnungsstätte seinen Dank aus und dankt auch den Vereinsmitgliedern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Es gebe eine soziale Entwicklung in Huchting, setzt er an, und erläutert drei Punkte, die die Gesellschaft spalten würden. Erstens: Arm und Reich. Bremen habe mit 22,7 Prozent die höchste Armutsquote Deutschlands, in Huchting liege sie sogar noch etwas höher. Da sei es „eine schwierige soziale Aufgabe für den Stadtteil, auch die Armen zu integrieren, sie mitzunehmen“. Zweitens: Politik und Bürger. In diesem Punkt sei die Spaltung auf Ortsebene geringer. Aber gehe man einmal in die Bundesebene, offenbare sie sich. „Wie heißt die Bundestagsabgeordnete für Bremen?“ wirft Resch eine Frage in die Runde. Betretenes Schweigen. „Sarah Ryglewski“, sagt Resch und ergänzt: „Die Politik ist in Gremienpolitik abgedriftet. Ich höre hier immer: Wo sind die Politiker? Die SPD hat hier nicht einmal einen Mandatsabgeordneten.“

 

Resch blickt in die Runde und stellt fest: „Frau Averwerser und Herr Fecker sind da. Darüber freuen wir uns. Die Politiker könnten aber noch zahlreicher vertreten sein in Huchting. Früher gab es Verankerungen der Parteien in den Vereinen.“ Resch kommt zum dritten und letzten Punkt seiner Rede und damit auch zum zentralen Anliegen: Alt und Jung. Kindergärten und Schulen erhielten viel Förderung, stellt er fest, aber die Älteren dürften nicht vernachlässigt werden. „Warum braucht man drei Fahrradbrücken für Millionen von Euro? Warum gibt es kein Geld für Begegnungsstätten?“ fragt er provokativ und fordert: „Wir brauchen mehr Geld für Hauptamtlichkeit in Begegnungsstätten.“ Das sei im Koalitionsvertrag verankert, und der Verein habe mehrfach die Senatorin für Soziales kontaktiert, aber die Antwort werde immer vertagt. Daher fragt Resch: „Lässt man uns hängen?“ Der Vorsitzende appelliert an die Politik, „die finanzielle Lage hier zu verbessern“. Denn Seniorenbegegnungsstätten seien wichtige Stützen, um ein selbstbestimmtes Leben so lange wie möglich zu erhalten.

 

„Ich muss jetzt die schlechte Stimmung gegen die Politik vertreiben“, sagt Grotheer als sie an das Rednerpult tritt. „Die Bremische Bürgerschaft als Landesparlament ist 600 Jahre alt“, erklärt sie, „und kümmert sich durchaus auch um den Bereich Seniorenpolitik. Zum Beispiel um die Frage der Grundrente. Wir haben auch diskutiert über präventive Haushalte oder über die Frage ÖPNV statt Führerschein.“ Dann berichtet die vierfache Mutter von Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben: „Ich nehme die Bahn und bekomme mit, wann eine Bahn ausfällt oder umgeleitet wird. Auch ich nehme wahr, wie verschmutzt die Stadt ist.“ Es gebe viele Bürger, die sich direkt an die Politiker wenden, die Telefone stünden manchmal gar nicht still, und Kollegen setzen sich immer für ihre Stadtteile ein. Grotheer: „Falko Bries diskutiert gerne in meiner Fraktion für Huchting.“

 

Wie würden ältere Menschen nun mitgenommen? Grotheer sei froh, das überhaupt etwas dazu im Koalitionsvertrag stehe und zieht einen Vergleich zum Autokauf: „Es geht eben nicht immer von heute auf gleich.“ Hubert Resch klang pessimistisch, bemerkt sie und bittet darum, sich nicht aufhalten zu lassen, sich Gehör zu verschaffen: „Meine Oma sagte immer: Backen zusammenkneifen und weitergehen.“ Mit einem Viertel der Bevölkerung hätten die über 60-Jährigen die beste Chance, mit ihren Anliegen gehört zu werden. Grotheer kommt noch auf das Ehrenamt zu sprechen, das „ein Schatz in Bremen“ sei und nicht mit 65 Jahren aufhöre. Sie sei stolz „auf die Menschen dieser Stadt, die sich so einbringen“. Gerade diese Menschen „können erwarten, dass etwas für sie getan wird“. Die Politikerin schließt mit dem Appell: „Resignieren Sie nicht, sondern bleiben Sie wütend. Bleiben sie so wie sie heißen, aktiver Verein.“

 

Zum Abschluss des Neujahrsempfangs ergreift Björn Fecker das Wort. „Ich freue mich, wenn Abgeordnete der Fraktion den Weg nach Huchting finden, denn es gibt hier tolle Menschen, tolle Netzwerke.“ Da er sich „ein bisschen provoziert von Herrn Resch“ fühle, stellt er noch einmal heraus, dass „zwei von drei aus den Fraktionen“ anwesend seien und obendrein viele Mitglieder aus den Beiräten. „Alle politisch Aktiven sind für den Stadtteil aktiv“, betont Fecker. „Hier können nicht nur Fahrradbrücken gebaut werden, hier muss auch die Basis stimmen.“ Dafür setze er sich ein.

 

 

 

"Die Broschüre steht in den Begegnungsstätten kostenlos zur Verfügung."

Der Kellner-Verlag hat uns das jetzt freigegeben.

 

Download
E-Book AMeB-Broschüre.pdf
Adobe Acrobat Dokument 10.8 MB

 

                                                                                                                                                                                                                                              

Aktive Menschen Bremen e. V

Beim Ohlenhof 10

 

                                                28239 Bremen

                                                 Telefon 0421-6914580

                                                  AMeB_08@web.de

                                         Bremen,  Oktober 2019      

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die beigefügte Broschüre    

 

                          „In der Begegnungsstätte haben wir einiges vor!“

gibt die Ergebnisse einer Untersuchung in der Senioren-Begegnungsstätte Horn-Lehe wieder. Die Ergebnisse stehen aber auch für die Erfahrungen in unseren anderen AMeB-Begegnungsstätten* und können durchaus verallgemeinert werden. Die der Untersuchung zugrunde  liegende Befragung bei Bürgerinnen und Bürgern im  Stadtteil Horn-Lehe hat ausschließlich bei älteren Menschen stattgefunden, die bis dahin die Begegnungsstätte nicht besucht hatten, sie zum Teil auch nicht kannten.

Die Ergebnisse machen ersichtlich, welch hohen Anklang die Tätigkeit findet, aber auch, dass viele sinnvolle Ansprüche und Erwartungen  zur Zeit nicht erfüllt werden können.

Der Hauptgrund liegt in der mangelhaften personellen Ausstattung. Der Einsatz von 8,5 Wochenstunden für hauptamtliche Kräfte in einem Begegnungszentrum ist völlig unzureichend, um die Aufgaben optimal  erfüllen zu können. Auch der aufopferungsvolle Einsatz ehrenamtlicher Kräfte kann die Lücke nicht füllen.

Nun bietet die Koalitionsvereinbarung mit der Ankündigung    „zur  Unterstützung des großen ehrenamtlichen Engagements mehr hauptamtliche  Kräfte“  in den Begegnungszentren zu ermöglichen, einen guten Ansatz für die erforderliche qualitative Verbesserung der Tätigkeit.  

Wir hoffen deshalb sehr darauf, dass  die Ankündigung aus der Koalitionsvereinbarung  bereits ab 2020 umgesetzt wird, zumindest in Form verbindlicher Zusagen, da der Haushalt erst im Sommer verabschiedet werden soll. Im Interesse der Planungssicherheit für unsere zwölf AMeB-Begegnungszentren sind wir auf verbindliche Zusagen ab dem Jahr 2020 angewiesen.

Wir würden uns freuen, wenn die Ergebnisse  der Untersuchung Ihr Interesse finden und hoffen sehr auf Unterstützung.

Mit herzlichen Grüßen

Hubert Resch                                                                     Edith Wangenheim            

Vorsitzender                                                                      Stellvertretende Vorsitzende

*Laut behördlicher  Klassifizierung  „Senioren-Zentren“. 

 

Dienstag, den 2. April, 10:00 Uhr im Helga-Jansen-Haus

 

Drei Generationen zusammenbringen:

 

Der Umgang zwischen den Generationen, zwischen Jung und Alt, war schon immer ein interessantes und auch spannungsreiches Feld.  Auch heute ist dies der Fall. Die junge Generation versteht die Älteren oft  nicht  und die Älteren verstehen die Jungen nicht mehr so ganz. Die Generation dazwischen, die Elterngeneration, hat oft Probleme in beide Richtungen.  

 

Wir möchten gerne in einem Projekt zusammen mit den Huchtinger Oberschulen und dem Gymnasium etwas tun, um das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern. In dem Projekt möchten wir die Schüler–Generation ins Gespräch bringen mit der Großeltern-Generation und beide dann mit der Eltern-Generation.

 

 

 

Wie soll das gehen?

 

In einer ersten Runde möchten wir Schüler aus den fünften und sechsten Klassen des Alexander-Humboldt-Gymnasiums mit älteren Menschen aus der Großeltern-Generation zusammenbringen. Zum Start wollen wir uns zunächst kennenlernen und einige organisatorische Fragen klären.