Bundestagsabgeordnete Doris Achelwilm, Die Linke, beim Männerfrühstück

 

Eine interessante Gästin hatte die AMeB Huchting am vergangenen Freitag, den 21. September, zu Gast. In der Begegnungsstätte Helga-Jansen-Haus war die Bundestagsabgeordnete der Linken, Doris Achelwilm, zum Männerfrühstück eingeladen. Unter der Gesprächsleitung von Dieter Blanke, der für den verhinderten Hubert Resch einsprang, entwickelte sich eine rege Diskussion zu aktuellen bundespolitischen Themen bis zu bremischen Schwerpunkten. In den Fragen und Antworten spiegelte sich immer wieder die Ungerechtigkeit bzw. gefühlte Ungerechtigkeit in unserem Land wieder. Hier zeigte Doris Achelwilm, dass sie Antworten für dass gesamte politische Spektrum geben kann, ohne ideoligische Phrasen von sich zu geben, die man ansonsten von anderen Politikern im Fernsehen betrachten kann.

 

 

 

Von Wilhelm Kaisen bis Michael Jackson –

Rathausführung mit Altbürgermeister Henning Scherf 

Einmal im Monat kommt Henning Scherf, Bremer Bürgermeister von 1995 bis 2005, zum Vorlesen, Singen und Klönen in den Nachbarschaftstreff Vahrer See. Geschichten aus Bremen und umzu, Erlebnisse und Erinnerungen stehen dann auf dem Programm.

Im September gab es eine Zugabe: Henning Scherf lud uns ein, uns das Rathaus von innen zu zeigen. Das ließen 13 Interessierte sich nicht zweimal sagen, und so trafen sie sich eines Nachmittags erwartungsvoll im Foyer des Rathauses.

Was dann kann, übertraf alle unsere Erwartungen. Henning Scherf ist ein wirklich profunder Kenner des wunderschönen Bremer Rathauses. In der Oberen Rathaushalle erklärte er uns sachkundig die Wandbilder, sprach über die Freiheit Bremens und ehemalige Bürgermeister. Auch über die Entstehungszeit des Rathauses wusste er viel zu erzählen.

Einen besonderen Höhepunkt stellte der Besuch in der Güldenkammer dar, der sonst fast nur Staatsgästen vorbehalten ist. Dieser von Heinrich Vogeler gestaltete Raum beeindruckte uns alle sehr. Wunderbare Intarsienarbeiten, die rot-goldene Ledertapete, die Jugendstil-Ornamente – und bei Henning Scherf wurden Erinnerungen wach. In diesem herrlichen Raum hat er mit Michael Jackson geplaudert, hier hat er mit den Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer verhandelt, hier waren Helmut Schmidt, Giscard d’Estaing und James Callaghan zu Gast. Mehrere Anekdoten aus diesen Zeiten verriet uns der ehemalige Bürgermeister.

Nachdem er uns noch den Kaminsaal und das Trauzimmer gezeigt hatte, durften wir im Senatssaal Platz nehmen an dem großen Tisch, an dem dienstags morgens die Senator*innen und Staatsräte tagen.

Am Ende waren wir alle begeistert. Solch eine exklusive Führung hatte noch niemand von uns mitgemacht. Das wunderbare Bremer Rathaus, die interessanten Geschichten und die lebendige Erzählweise des Altbürgermeisters – das war ein gelungener Nahmittag!

Barbara Schneider

 

 

 

 

Über 50 Teilnehmer beim Männerfrühstück mit Bürgermeister Carsten Sieling 

 Bürgermeister Carsten Sieling staunte am Freitagmorgen nicht wenig, als er sich durch die Warteschlange beim Männerfrühstück im Helga-Jansen-Haus durchkämpfte. Über 50 interessierte Senioren waren gekommen, um etwas über seine Person und seine politischen Ansichten und Ziele zu erfahren. Sie kamen voll auf ihre Kosten. Carsten Sieling gewann nicht nur viel an Sympathien durch die Darstellung seines Werdegangs, sondern auch durch die offene Behandlung der Probleme in Bremen. Aber er verstand es auch, die positiven Entwicklungen der Hansestadt des Landes Bremen herauszustellen. Hierzu zählt die starke Verbesserung der Wirtschaftskraft Bremens "Spitzenreiter vor Bayern" ebenso wie die beachtliche Meisterung der wichtigsten Probleme aus der Flüchtlingswelle der letzten Jahre. Das Fazit bei den meisten Teilnehmern lautete: der Bürgermeister ist besser als das Bild, das über ihn der Öffentlichkeit abgegeben wird.

 


 

WESER-KURIER - 31.03.2018

 

Streitgespräch

Typen bevorzugt

CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp und SPD-Politiker Andreas Bovenschulte diskutieren über die Zukunft der Volksparteien

Bremen. Wie können die Volksparteien wieder Vertrauen bei den Wählern gewinnen? Eine Frage, mit der sich der frühere Bremer SPD-Landesvorsitzende Andreas Bovenschulte, der nun Bürgermeister der Gemeinde Weyhe ist, und CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp auseinandergesetzt haben. Im Helga-Jansen-Haus in Huchting trafen die beiden Politiker auf Einladung des Vereins Aktive Menschen in Bremen nun aufeinander, um über das Thema zu diskutieren.

Röwekamp meint, dass die Volksparteien in einer inneren und einer äußeren Krise stecken. Ein parteiinternes Problem sei der „dramatische Mitgliederrückgang“, wie er in seinem Eingangsstatement sagte. „Die CDU hat in den letzten 20 Jahren fast die Hälfte der Mitglieder verloren. Alles, was wir versucht haben, das zu vermeiden, hat nicht gezündet.“ Egal ob ein Ausbau der Frauenbeteiligung, neue Veranstaltungsformen, eine Orientierung hin in zur bürgerlichen Mitte, Online-Beteiligungen oder Schnuppermitgliedschaften: „Wir haben alles versucht, was ein ordentlicher Handelsvertreter auch versucht, um Kunden zu gewinnen. Aber im Ergebnis haben wir den Mitgliederschwund in den Volksparteien nicht beseitigen können“, sagte der Bürgerschaftsabgeordnete. Hinzu komme, dass die Entwicklung weg von Mitglieder- hin zu Kampagnenparteien gehe. „Ich sehe nicht, wie man diese Krise aufhalten kann“, sagte Röwekamp.

Die CDU müsse in einem ersten Schritt versuchen, die „Verdrossenheit nach außen“ zu beseitigen. Geändert werden sollte auch die Tendenz einer „zunehmenden Personalisierung der Politik“. Seiner Ansicht nach entscheiden die Wähler oft aus einem Gefühl heraus und weniger aus Überzeugung. Es würden eher Typen statt Parteien bevorzugt. Abschließend warb Röwekamp dafür, wieder in den „politischen Wettbewerb“ zu treten und „klare Kante zu zeigen“.

Der SPD-Politiker Bovenschulte stimmte Röwekamp großteils zu. „Ich würde nur einiges etwas anders akzentuieren und ergänzen“, sagte er. Die Volksparteien seien europaweit in der Krise, die linken Parteien seien dabei stärker betroffen als die rechten.

Ergänzend zu den Analysen seines Vorredners kritisierte Bovenschulte ein mangelndes Selbstbewusstsein der Parteien, für ihre Positionen einzustehen. Auch auf der kommunalen Ebene würden die Parteien durch die Direktwahl der Bürgermeister geschwächt. Eine Zunahme an „politischer Apathie“ stellte der Sozialdemokrat besonders bei den sozial Schwachen fest. „Je schlechter die soziale und gesellschaftliche Lage, desto größer die politische Apathie“, lautete seine Zusammenfassung.

In der anschließenden Debatte bezeichnete Röwekamp es als „größten Fehler der CDU, dass Demoskopie und Demokratie verwechselt wurden“. Seine Partei habe immer versucht, allen zu gefallen. „Die Strategie, es jedem Recht zu machen, war falsch“, so der CDU-Fraktionschef. Für Bovenschulte dagegen war die Agenda 2010 „ein Grundfehler der Sozialdemokratie, weil sie in der Art und Weise, wie sie kommuniziert wurde, von den Wählern und den Mitgliedern als Abschied von Grundwerten der SPD“ verstanden worden sei. „Davon haben wir uns nie erholen können“, sagte der Weyher Bürgermeister.

Im weiteren Verlauf der Debatte äußerten einige Gäste ihren Unmut über die Rolle der Parteien. Im Mittelpunkt der meisten Beiträge stand die Kritik, dass zu viele Menschen sozial „abgehängt“ seien. Die Politik kreise zu sehr um globale und europäische Problemlagen und kümmere sich zu wenig um die Belange der Menschen vor Ort. Die beiden Parteivertreter machten dagegen deutlich, dass viele Probleme vor Ort durch die globalen wirtschaftlichen und finanziellen Strukturen vorgegeben sein.

Auch Themen wie die Bürgerversicherung, das Rentenniveau, die Befristung von Arbeitsverträgen und Leiharbeit wurden angesprochen. Röwekamp lobte die „erheblich gesunkene Arbeitslosigkeit als Leistung der Bundesregierung“, doch einige Gäste kritisierten die Kehrseite der Medaille mit niedrigen Löhnen, Leiharbeit und Befristung von Arbeitsverträgen. Angesprochen wurde auch eine Schieflage beim Verhältnis von Sozialleistungen im Vergleich zu den Einkommen vieler Geringverdiener.